Random samplings from the Text-Database


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sample from hua_01t

_P12
auf. Die pha~nomenologische Epoche/ reduziert mich auf mein
transzendentales reines Ich, und zuna~chst wenigstens bin ich
also in gewissem Sinne _!solus ipse_!: nicht im gewo~hnlichen, etwa
in dem bei einem Zusammensturz aller Gestirne u~brig
gebliebenen Menschen in der noch immer seienden Welt. Habe
ich die Welt als die aus mir und in mir Seinssinn empfangende
aus meinem Urteilsfeld verbannt, so bin ich, das ihr vorangehen-
de transzendentale Ich, _!das einzig urteilsma~s~ig
_!Setzbare und Gesetzte_!. Und nun soll ich eine Wis-
senschaft gewinnen, eine unerho~rt eigenartige, da sie, ausschlies~-
lich von meiner und in meiner transzendentalen Subjektivita~t
geschaffen, auch nur fu~r sie --- zuna~chst wenigstens --- gelten
soll, eine transzendental-solipsistische Wissenschaft. Also nicht
das _!ego cogito_!, sondern eine Wissenschaft vom ego, eine reine
_!Egologie_! mu~s~te das unterste Fundament der Philoso-
phie im Cartesianischen Sinne der universalen Wissenschaft
sein und mu~s~te mindestens das Grundstu~ck fu~r deren absolute
Begru~ndung leisten. In der Tat ist diese Wissenschaft schon da
als die unterste transzendentale Pha~nomenologie; die unterste,
also nicht die volle, zu der ja selbstversta~ndlich der weitere Weg
vom transzendentalen Solipsismus zur transzendentalen Inter-
subjektivita~t geho~rt.
Um dies alles versta~ndlich zu machen, bedarf es zuna~chst der
von Descartes versa~umten Freilegung des unendlichen Feldes
der transzendentalen Selbsterfahrung des ego. Die Selbster-
fahrung, und sogar in der Bewertung als apodiktische, spielt
bekanntlich bei ihm selbst eine Rolle, aber das ego in der ganzen
Konkretion seines transzendentalen Daseins und Lebens zu
erschlies~en und als ein systematisch in seine Unendlichkeiten zu
verfolgendes Arbeitsfeld anzusehen, das lag ihm ferne. Fu~r den
Philosophen mus~ es als eine fundamentale Einsicht in den Mit-
telpunkt gestellt werden, das~ er in der Einstellung transzenden-
taler Reduktion konsequent auf seine cogitationes und auf ihren
rein pha~nomenologischen Gehalt reflektieren und dabei allseitig
sein transzendentales Sein in seinem transzendental-zeitlichen
Leben und in seinen Vermo~gen enthu~llen kann. Es handelt sich
hier offenbar um Parallelen zu dem, was der Psychologe in seiner
Weltlichkeit innere oder Selbsterfahrung nennt.
Von gro~s~ter, ja entscheidender Wichtigkeit ist dann, zu be-

sample from hua_02t

_P11
wir als schlichte Gegebenheiten fu~r so gar nichts Mysterio~ses
halten, bergen allerlei Transzendenzen.
Wenn wir na~her zusehen und nun achten, wie im Erlebnis
etwa eines Tones, auch nach pha~nomenologischer Reduktion,
sich _!Erscheinung und Erscheinendes gegen-
_!u~bersetzen_! und sich gegenu~bersetzen _!inmitten der
reinen Gegebenheit_!, also der echten Immanenz, so
werden wir stutzig. Der Ton dauert etwa; da haben wir die
evident gegebene Einheit des Tones und seiner Zeitstrecke mit
ihren Zeitphasen, der Jetztphase und den Vergangenheitsphasen;
andrerseits, wenn wir reflektieren, das Pha~nomen der Tondauer,
das selbst ein zeitliches ist, seine jeweilige Jetztphase hat und
seine Gewesenheitsphasen. Und in einer herausgegriffenen Jetzt-
phase des Pha~nomens ist nicht nur gegensta~ndlich das Jetzt des
Tones selbst, sondern das Tonjetzt ist nur ein Punkt in einer
Tondauer.
Diese Andeutung genu~gt schon --- ausfu~hrliche Analysen
werden zu unseren speziellen Aufgaben in der Folgezeit ge-
ho~ren ---, um uns auf das Neue aufmerksam zu machen: das
Pha~nomen der Tonwahrnehmung, und zwar der evidenten und
reduzierten, fordert innerhalb der Immanenz eine Unterscheidung
zwischen _!Erscheinung_! und _!Erscheinendem_!. Also
zwei absolute Gegebenheiten haben wir, die Gegebenheit des
Erscheinens und die Gegebenheit des Gegenstandes, und der
Gegenstand ist innerhalb dieser Immanenz nicht in dem reellen
Sinne immanent*, er ist nicht Stu~ck der Erscheinung: na~m-
lich die vergangenen Phasen der Tondauer sind jetzt noch gegen-
sta~ndlich und doch nicht reell im Jetztpunkt der Erscheinung
enthalten. Also dasselbe, was wir auch beim Allgemeinheits-
bewus~tsein fanden, das~ es ein Bewus~tsein ist, das eine Selbst-
gegebenheit konstituiert, die nicht im Reellen enthalten ist und
u~berhaupt nicht als _!cogitatio_! zu finden ist, das finden wir auch
beim Pha~nomen der Wahrnehmung.
Auf der untersten Stufe der Betrachtung, im Stande der Naivi-
ta~t, scheint es zuna~chst so, als wa~re Evidenz ein blos~es Schauen,
ein wesenloser Blick des Geistes, u~berall ein und dasselbe und
in sich unterschiedslos: das Schauen schaut eben die Sachen,

sample from hua_03t

_P7
Gegensatzes an Stelle desjenigen zwischen real und ideal wird im
spa~teren Laufe unserer Untersuchungen (und zwar im zweiten
Buche) eine eingehende Rechtfertigung finden. Es wird sich
zeigen, das~ der Begriff der Realita~t einer fundamentalen Begren-
zung bedarf, vermo~ge deren zwischen realem Sein und individuel-
lem (zeitlichem Sein schlechthin) ein Unterschied statuiert werden
mus~. Der U~bergang zum reinen Wesen liefert auf der einen Seite
Wesenserkenntnis von Realem, auf der anderen, hinsichtlich der
u~brigbleibenden Spha~re, Wesenserkenntnis von Irrealem. Es wird
sich weiter zeigen, das~ alle transzendental gereinigten "Erleb-
nisse" Irrealita~ten sind, gesetzt aus~er aller Einordnung in die
"wirkliche Welt". Eben diese Irrealita~ten erforscht die Pha~no-
menologie, aber nicht als singula~re Einzelheiten, sondern im
"Wesen". Inwiefern jedoch transzendentale Pha~nomene als
singula~re _!Fakta_! einer Forschung zuga~nglich sind, und welche
Beziehung eine solche Tatsachenforschung zur Idee der Meta-
physik haben mag, das wird erst in der abschlies~enden Reihe von
Untersuchungen seine Erwa~gung finden ko~nnen.
In dem _!ersten_! Buche werden wir aber nicht nur die allgemeine
Lehre von den pha~nomenologischen Reduktionen behandeln, die
uns das transzendental gereinigte Bewus~tsein und seine Wesens-
korrelate sichtlich und zuga~nglich machen; wir wollen auch ver-
suchen, bestimmte Vorstellungen von der allgemeinsten Struktur
dieses reinen Bewus~tseins zu gewinnen und, dadurch vermittelt,
von den allgemeinsten Problemgruppen, Untersuchungsrichtun-
gen und Methoden, die der neuen Wissenschaft zugeho~ren.
Im _!zweiten_! Buche behandeln wir dann eingehend einige be-
sonders bedeutsame Problemgruppen, deren systematische For-
mulierung und typische Lo~sung die Vorbedingung ist, um die
schwierigen Verha~ltnisse der Pha~nomenologie zu den physischen
Naturwissenschaften, zur Psychologie und den Geisteswissen-
schaften, andererseits aber auch zu den sa~mtlichen apriorischen
Wissenschaften zu wirklicher Klarheit bringen zu ko~nnen. Die
hierbei entworfenen pha~nomenologischen Skizzen bieten zugleich
willkommene Mittel, um das in dem _!ersten_! Buche gewonnene
Versta~ndnis der Pha~nomenologie erheblich zu vertiefen und eine
ungleich inhaltreichere Kenntnis von ihren gewaltigen Problem-
kreisen zu gewinnen.
Ein _!drittes_! und abschlies~endes Buch ist der Idee der Philo-

sample from hua_04t

_P9
nicht nur sinnlich Angeschautes (wir leben nicht im Vollzug des
Wahrnehmens) sondern _!axiologisch Angeschau-
_!tes_!. In der aktiven Hingegebenheit des a~sthetischen "Gefal-
lend-damit-bescha~ftigt-seins", der als Akt verstandenen a~sthe-
tischen Freude ist, sagten wir, das Objekt Objekt des Genies~ens.
Andererseits im a~sthetischen Beurteilen, Abscha~tzen ist es nicht
mehr in blos~ genies~ender Hingabe Objekt, sondern Objekt im
besonderen doxothetischen Sinne: das Angeschaute ist im eigen-
schaftlichen (So-sein konstituierenden) Charakter der a~stheti-
schen Erfreulichkeit gegeben. Das ist eine neue "theoretische"
Objektivita~t, und zwar eine eigentu~mliche von ho~herer Stufe.
Im _!blos~ sinnlichen Anschauen_!, dem unterster
Stufe lebend, es theoretisch vollziehend, haben wir _!eine
_!blos~e Sache_! in der schlichtesten Weise theoretisch erfas~t.
In die a~sthetische Werterfassung und Wertbeurteilung u~ber-
gehend, haben wir mehr als eine blos~e Sache, wir haben die
Sache mit dem Soseinscharakter (bzw. dem ausdru~cklichen Pra~-
dikat) des Wertes, wir haben eine werte Sache. Dieses Wertob-
jekt, das in seinem gegensta~ndlichen Sinn den Soseinscharakter
der Wertheit mitbeschlies~t, ist das Korrelat der theoretischen
Werterfassung. Es ist also ein Objekt ho~herer Stufe. Wir bemer-
ken, das~ die allgemein-originale Wertbeurteilung, allgemein ge-
sprochen, das~ jedes ein _!Wertobjekt als solches
_!origina~r konstituierende Bewus~tsein_! not-
wendig eine _!Komponente_! in sich hat, die der _!Gemu~ts-
_!spha~re_! angeho~rt. Die urspru~nglichste Wertkonstitution voll-
zieht sich im Gemu~t als jene vortheoretische (in einem weiten
Wortsinne) genies~ende Hingabe des fu~hlenden Ichsubjektes,
fu~r die ich den Ausdruck Wertnehmung schon vor Jahrzehnten
in Vorlesungen verwendet habe. Der Ausdruck bezeichnet also
ein der Gefu~hlsspha~re zugeho~riges Analogon der Wahrnehmung,
die in der doxischen Spha~re das urspru~ngliche (selbsterfassende)
Dabeisein des Ich bei dem Gegenstande selbst bedeutet. Also in
der Gemu~tsspha~re dasjenige Fu~hlen, in dem das Ich im Bewus~t-
sein lebt, bei dem Objekte 'selbst' fu~hlend dabei zu sein, und eben
das meint die Rede vom Genies~en. Wie es aber sozusagen ein von
ferne Vorstellen gibt, ein leeres vorstellendes Meinen und nicht
selbst Dabeisein, so ein leeres gegenstandbezogenes Fu~hlen; und
wie sich jenes im anschaulichen Vorstellen erfu~llt, so das leere

sample from hua_05t

_P13
Wer das aber verstanden hat, _!weis~_!, das~ methodische Technik
nicht Interesse und Sache des Philosophen sondern des dogma-
tischen Forschers, dogmatischer Wissenschaft ist, das~ dagegen
das prinzipielle Wesen, die Idee jeder Wissenschaft von einem
kategorialen Typus und die Idee ihrer Methode als "Sinn" jeder
Wissenschaft ihr selbst vorhergeht und aus dem eigenen Wesen
der Idee ihrer Gegensta~ndlichkeit, die ihr Dogma bestimmt, also
a priori, ergru~ndet werden kann und mus~.
Um das "Wesen" der Zahl zu erfassen, um den Grundbegriff
der Arithmetik zu kla~ren und von da aus die prinzipiellen Quellen
ihrer Methodik zu verstehen, kann uns keine Theorie der Integral-
Gleichungen und keine Reflexion u~ber solche Theorien lehren,
dazu brauchen wir nicht einmal die Beherrschung des Einmaleins.
Das Wesen der Seele und damit die mo~glichen Ziele und Metho-
den (in _!prinzipieller_! Allgemeinheit) zu kla~ren, bzw.
wissenschaftlich zu bestimmen, ist nicht Sache des psychologi-
schen Technikers, d.i. des Psychologen, sondern des Philosophen.
Das gilt fu~r alle Seinskategorien, die korrelativ auf kategoriale
Grundformen gebenden Bewus~tseins zuru~ckfu~hren. Sa~tze wie
die, das~ alle wissenschaftliche Methode einerlei ist, das~ also

die Philosophie nach dem Vorbild exakter Wissenschaft, etwa Mathematik und besonders Naturwissenschaft methodisch vor- zugehen, das~ Philosophie sich selbstversta~ndlich auf Spezial-

wissenschaften zu stu~tzen, ihre Ergebnisse weiter zu verarbeiten habe, sind so oft wiederholt worden, das~ sie mit allen begleitenden Erla~uterungen vollkommen trivial geworden sind. Das Ko~rnchen
Wahrheit, das in ihnen liegt, ist durch die Wiederholungen

nicht gro~s~er geworden, dagegen ist der Schaden, den der so viel gro~s~ere Teil Unwahrheit dieser schiefen Sa~tze gestiftet hat,
zu einer Unsumme geworden. Er droht, die deutsche Philosophie
zu verzehren.
Das~ die Dogmatiker den Philosophen nicht zuho~ren, finde ich
berechtigt, wenn sie, zweifellos trotzdem ihrer dogmatischen
Fortschritte vo~llig sicher, eben nur Fachma~nner und keine Philo-
sophen sein wollen. Wollen sie es aber und halten sie Philosophie
fu~r eine Art Fortsetzung dogmatischer Wissenschaft, dann glei-
chen sie Leuten, die sich einbilden, bei hinreichenden Fortschrit-
ten der Physik und Chemie werde die Menschheit so weit kom-

sample from hua_10t

_P13
Bewus~tsein festgehalten, dann erschiene uns der durchlaufene
Raum kontinuierlich erfu~llt, aber wir ha~tten nicht die Vorstellung
einer Bewegung. Erst dadurch kommt es zur Vorstellung der
Sukzession, das~ die fru~here Empfindung nicht unvera~ndert im
Bewus~tsein verharrt, sondern sich in eigentu~mlicher Weise modi-
fiziert, und zwar von Moment zu Moment fortgesetzt modifi-
ziert. Sie erha~lt beim U~bergang in die Phantasie den sich stetig
vera~ndernden zeitlichen Charakter, von Moment zu Moment
erscheint so der Inhalt mehr und mehr zuru~ckgeschoben. Diese
Modifikation ist aber nicht mehr Sache der Empfindung, sie
wird nicht durch den Reiz bewirkt. Der Reiz erzeugt den gegen-
wa~rtigen Empfindungsinhalt. Verschwindet der Reiz, so ver-
schwindet auch die Empfindung. Aber die Empfindung wird
nun selbst scho~pferisch: sie erzeugt sich eine inhaltlich gleiche
oder nahezu gleiche und durch den zeitlichen Charakter be-
reicherte Phantasievorstellung. Diese Vorstellung weckt wieder
eine sich stetig an sie angliedernde neue usf. Diese stetige An-
knu~pfung einer zeitlich modifizierten Vorstellung an die ge-
gebene nennt Brentano "urspru~ngliche Assoziation". In der
Konsequenz seiner Theorie kommt Brentano dazu, die Wahr-
nehmung von Sukzession und Vera~nderung zu leugnen. Wir
glauben eine Melodie zu ho~ren, also auch eben Vergangenes noch
zu ho~ren, indessen ist dies nur Schein, der von der Lebhaftigkeit
der urspru~nglichen Assoziation herru~hrt.
$ 4. _!Die Gewinnung der Zukunft und die unendliche Zeit_!.
Die Zeitanschauung, die durch urspru~ngliche Assoziation
entsteht, ist noch keine Anschauung von der unendlichen Zeit.
Sie erfa~hrt eine weitere Ausgestaltung, und zwar nicht nur
hinsichtlich der Vergangenheit, sie erha~lt einen ganz neuen
Zweig durch die Hinzufu~gung der Zukunft. Auf die Erscheinung
des Momentangeda~chtnisses gestu~tzt, bildet die Phantasie die
Vorstellungen der Zukunft in einem Prozes~, der a~hnlich ist dem-
jenigen, durch den wir unter Umsta~nden zu Vorstellungen ge-
wisser neuer Arten von Farben und To~nen gelangen, indem wir
den bekannten Verha~ltnissen und Formen folgen. In der Phanta-
sie ko~nnen wir eine Melodie, die wir in einer bestimmten Tonart,
aufgrund ganz bestimmter Tonspezies geho~rt haben, auf

sample from hua_11t

_P3
_TEINLEITUNG
<EINLEITUNG>
DIE SELBSTGEBUNG IN DER WAHRNEHMUNG>
<_!@ I. Originalbewus~tsein und perspektivische Abschattung der_!
_!Raumgegenstande_!>
Die a~us~ere Wahrnehmung ist eine besta~ndige Pra~tention,
etwas zu leisten, was sie ihrem eigenen Wesen nach zu leisten
aus~erstande ist. Also gewissermas~en ein Widerspruch geho~rt zu
ihrem Wesen. Was damit gemeint ist, wird Ihnen alsbald klar-
werden, wenn Sie schauend zusehen, wie sich der objektive Sinn
als Einheit <in> den unendlichen Mannigfaltigkeiten mo~glicher
Erscheinungen darstellt und wie die kontinuierliche Synthese
na~her aussieht, welche als Deckungseinheit denselben Sinn er-
scheinen la~s~t, und wie gegenu~ber den faktischen, begrenzten
Erscheinungsabla~ufen doch besta~ndig ein Bewus~tsein von dar-
u~ber hinausreichenden, von immer neuen Erscheinungsmo~glich-
keiten besteht.
Worauf wir zuna~chst achten, ist, das~ der Aspekt, die perspek-
tivische Abschattung, in der jeder Raumgegenstand unweigerlich
erscheint, ihn immer nur einseitig zur Erscheinung bringt. Wir
mo~gen ein Ding noch so vollkommen wahrnehmen, es fa~llt nie
in der Allseitigkeit der ihm zukommenden und es sinnendinglich
ausmachenden Eigenheiten in die Wahrnehmung. Die Rede von
diesen und jenen Seiten des Gegenstandes, die zu wirklicher
Wahrnehmung kommen, ist unvermeidlich. Jeder Aspekt, jede
noch so weit fortgefu~hrte Kontinuita~t von einzelnen Abschat-
tungen gibt nur Seiten, und das ist, wie wir uns u~berzeugen, kein
blos~es Faktum: Eine a~us~ere Wahrnehmung ist undenkbar, die ihr
Wahrgenommenes in ihrem sinnendinglichen Gehalt erscho~pfte,
ein Wahrnehmungsgegenstand ist undenkbar, der in einer abge-
schlossenen Wahrnehmung im strengsten Sinn allseitig, nach der
Allheit seiner sinnlich anschaulichen Merkmale gegeben sein
ko~nnte.

sample from hua_13t

_P13
"Welt", dann wu~rden die und die erfahrenen oder indirekt supponierten
Dinge die und die Erscheinungsreihen darbieten.
Natu~rlich operiere ich hier mit der Einheit der Welt. Ich gehe von
meinem Bewus~tsein aus und von den anderen Ich und modifiziere
nun die Leiber oder ich nehme im Fortgang neue und neue Leiber an
mit neuen Bewus~tsein, in denen neue Erscheinungen mo~glich werden
und synthetische Erscheinungszusammenha~nge. Aber in Beziehung
auf dieselben Dinge? Was ha~lt die Identita~t desselben Dinges aber
durch? Zwischen mir und meinen Nebenmenschen macht sich das so,
das~ wir beide dieselben Erscheinungsgruppen (der Hauptsache nach
wenigstens) haben. Die Erscheinungen stehen dabei im Verha~ltnis des
_!mo~glichen Austausches_!. Von seinem Standpunkt wu~rde ich
dasselbe sehen wie er etc. Was tritt nun dafu~r ein? Was heis~t das:
Ich habe vom Ding A die und die Erscheinungen; ein Anderer mit
vo~llig anderen Sinnesorganen hat die und die vo~llig anderen Er-
scheinungen? (Vgl. auch "bei uns Menschen" die Unterschiede zwischen
normalen und anomalen Sinnen.) Offenbar mu~s~en wir da Mo~glich-
keiten fingieren, das~ ein U~bergang der Stetigkeit *1 von den einen und
anderen Erscheinungen u~berfu~hrte: Ich mu~s~te mir also fingieren,
das~ mein Bewus~tsein sich so erweiterte, das~ es etwa einem Leib
noch Bewus~tsein einfu~hlen und Gemeinsamkeit der Erscheinungen
zwischen ihm und meinem Bewus~tsein ansetzen ko~nnte, und anderer-
seits ihm zuweisen du~rfte neue und neue Erscheinungen, welche die
Kontinuita~t durchhalten. Ich fingiere mir ein menschena~hnliches
Wesen, das sehen und tasten kann, dieselben Erscheinungen wie ich
hat, einen Leib, den ich als Leib noch auffassen kann, und das doch
sich zur Sonne erheben, allma~hlich in diesem U~bergang neue und neue
Erscheinungen haben ko~nnte (vielleicht mit unbegreiflich neuen pha~-
nomenologischen Momenten), immerfort die Sonne darstellend. Da
besta~nde Kontinuita~t und ein denkbares Recht also, von demselben
Ding zu sprechen. Was sollte es denn sonst heis~en: Dasselbe Ding
biete verschiedene Erscheinungen dem und jenem Bewus~tsein? Wie
ka~men zwei _!total_! verschiedene Erscheinungsgruppen dazu, dem-
selben Ding zuzugeho~ren? Man wird hier auf Farbenblindheit und
dergleichen hinweisen. Aber man u~bersieht das Verbindende: Der
Farbenblinde so wie ich selbst haben eine visuell-taktuelle Welt ge-
meinsam, und Gemeinsamkeit durch Einfu~hlung ist hier mo~glich.
Zum Wesen des Dinges geho~rt es doch, Raumding zu sein und da-
durch Tra~ger verschiedener "Qualita~ten". Damit mir und einem
Anderen dasselbe Ding soll erscheinen ko~nnen, damit u~berhaupt der
Andere fu~r mich Anderer ist, der in derselben Welt Dinge wahrnimmt,
und dieselben, die ich wahrnehme, dazu sind Bedingungen zu erfu~llen,
und da mus~ man doch etwas tiefer auf Dingkonstitution eingehen.

sample from hua_14t

_P50
Bewus~tseins, so ko~nnte man sagen, wie sich das dauernde Rot in
seinen retentionalen Modifikationen abschattet. Indessen, dasselbe
kann man von jedem idealen Gegenstand sagen, der zwar in einer
Zeitausbreitung zur Gegebenheit kommt und dadurch als in einer
Dau~r verbreitet erscheint, und doch evidenterweise irreell ist, nicht
dauert wie ein Reales, wie ein solches, das eine Einheit von Gehalten
in der Dauer ist, deren jeder verschieden ist. Das Ich aber ist als
reines Ich in jeder Phase seiner dauernden Gegebenheit identisch das-
selbe, und nicht dasselbe wie ein sich vera~nderndes Ding oder ein sich
vera~nderndes Rot, das sozusagen erst dank der Kontinuita~t eines die
Zeitdauer erfu~llenden Gehalts (die gleichen oder verschiedenen Rot-
phasen) sich als selbes konstituiert. Das reine Ich, das Ich als Ich hat
keine verschiedenen Gehalte in verschiedenen Zeitphasen, es ist in
allen absolut identisch, so als reines Ich. Das Selbst aber _!in concreto_!
hat zwar einen wechselnden Gehalt, aber hier geht die Identita~t des
Ich als Einheit schaffende Identita~t fu~r alle Gehalte diesen vorher,
die Einheit des Selbst und sogar der Person ist nicht eine blos~e
Identita~t in der Vera~nderung, im Wandel von Phasen. Alle wechseln-
den Gehalte, die in die Zeitdauer eingehen, setzen die Identita~t des
Ich schon voraus, das aus dem Ich in seiner Aktivita~t in die Zeit Ein-
stro~mende hat das Ich schon voran, setzt es schon voraus, ebenso
setzt alles das Ich Affizierende das Ich voraus, um es von Moment zu
Moment neu und evtl. anders affizieren zu ko~nnen und ihm so einen
wechselnden Gehalt erteilen zu ko~nnen.
Im einen Fall, kann mag sagen, haben wir eine einseitig fundierte
Einheit, die in kontinuierlichem U~bergang von Verschiedenem zu Ver-
schiedenem und nur in solchem vorfindlich ist, wa~hrend Getrenntes
(diskontinuierlich in der Zeit Liegendes) nicht eins, sondern mehreres
ist. Hier beim Ich aber haben wir keine solche fundierte Einheit, son-
dern das Eine ist von vornherein eins und tritt erst in Beziehung zu Ver-
schiedenem, obschon es von diesem nicht getrennt werden kann. Das
zeigt sich auch darin, das~, wo zwei unzusammenha~ngende Anschau-
ungen, z.B. von Rot, gegeben sind, ich Gleichheit und A~hnlichkeit, nie
aber Identita~t aussagen kann. Wenn ich aber mich in Kindheit und
Mannheit "vergleiche", auf Grund zusammenhangsloser Einzelan-
schauungen, da finde ich mich _!selbst_! und absolut numerisch als
dasselbe.
_TBEILAGE IV
BEILAGE IV
DIE MONADE <IN IHRER ALLGEMEINSTRUKTUR>.
(Juni 1921)
Das Ich als Pol, als Zentrum seiner Akte und Affektionen, ist als
das notwendig Subjekt von intentionalen Erlebnissen und dadurch hat
es bewus~t "Gegensta~nde" seiner Akte, Gegensta~nde, denen es zuge-

sample from hua_15t

_P120
ben die von mir in der Mannigfaltigkeit der in diesem Leben be-
schlossenen Gegebenheitsweisen der Welt eben als die eine und
selbe Welt gemeinte war und ist und voraussichtlich als ku~nftige
ist, ist in fundierender Stufe oder Schichte universale intersub-
jektive Erfahrungswelt; aber diese Schichte geltender Welt ist
selbst fundiert in dem, was von ihr in meine eigene universale
Erfahrung fa~llt. Das fu~hrt also zuru~ck auf meine vermeinte
Welt als wie sie meine Erfahrungswelt oder, wie wir auch
sagen ko~nnen, die Welt meiner Wahrnehmungen, meiner
gegenwa~rtigen Wahrnehmungen, meiner vergangenen und ku~nf-
tigen Wahrnehmungen ist. Ich habe also eine gewisse reduk-
tive Epoche zu vollziehen, ich reduziere die mir konkret gel-
tende Welt, die eine meines ganzen u~berschaubaren transzen-
dentalen Lebens, abstraktiv auf meine Wahrnehmungswelt, was
ich von der Welt, der durch mein Leben hindurch bei allem Wech-
sel der Erfahrungen und Meinungen von ihr einen und selben,
wirklich wahrgenommen <habe>.
Ich werde wohl voraus mein transzendentales Selbstsein in
einer ersten grundlegenden Weise schon ausgelegt haben, wie
das notwendig ist. Ich bin in der Epoche zwar Subjekt fu~r die
Welt, aber auch Subjekt fu~r mich, der ich Bewus~tseinssubjekt
fu~r die Welt bin, und mich selbst als transzendental Setzbares
erforsche ich zuerst insoweit, das~ ich die vermeinte Welt noch
aus~er na~herer Untersuchung belasse und mich in meiner allge-
meinsten Struktur auslege als identisches Ich eines Bewus~t-
seinslebens, in Positionen, die teils und in einer universalen (all-
heitlichen) Geschlossenheit Welt zur Setzung bringen, und als
nun ja transzendentales Ich auch transzendental-immanente
Setzungen; das~ ich, mich transzendental auslegend, mein im-
manentes Leben als immanent zeitliches finde oder vielmehr sich
zeitigendes; das~ ich bin in Form einer stro~mend lebendigen Ge-
genwart, in welcher sich durch gegenwa~rtige Erinnerungen Ver-
gangenheit, vergangene Gegenwart zeitigt usw. Ich bin fu~r mich
ganz urspru~nglich als selbstwahrnehmendes (selbstgegenwa~rti-
gendes), ich kann mich selbst aktuell kennenlernen, weil ich
schon passiv in originaler Selbstgegenwa~rtigung bin und von da
affiziert auf mich aktuell hinsehen und mich in meinen originalen
Eigenheiten erfassen kann etc.
Es ist dann im U~bergang zu den "transzendenten", den welt-

sample from hua_16t

_P250
Bildes, also gleichsam <die> Grenze "Unendlich", wa~hrend dieser
kina~sthetisch eine endliche Grenze entspricht. Die erscheinende
Seite ist dieselbe: immer die "Vorderseite". Das~ das Objekt andere
Seiten hat, das dankt es seiner Mitkonstitution durch die mo~glichen
Wendungsmodifikationen. Die Erscheinungsreihe ist eine zy-
klische und fu~hrt zyklisch Seite in Seite u~ber und konstituiert
endlich die Abgeschlossenheit der Seiten, das ist die geschlossene
Ko~rperoberfla~che. Doch von Oberfla~che du~rfen wir eigentlich
noch nicht sprechen. Doch erkennen wir, das~, was sich aufgrund
der kontinuierlichen Wendungen konstituiert, ein zweidimen-
sionales Punktsystem sein mus~. Na~mlich es ist zu bemerken, das~
der Zyklus kein linearer Zyklus ist, sondern eine zyklische
Mannigfaltigkeit von zwei Dimensionen. Die Wendung (immer
als blos~e Wendung) kann vielfa~ltig erfolgen, und zwar nach<
Mas~gabe des zweidimensionalen Richtungssystems im okulo-
motorischen Feld. Gehen wir den stetigen Verdeckungen nach, die
ein Objektpunkt vollzieht, und achten wir auf die Stellungen
dieses Punktes im okulomotorischen Feld, die zu jeder Phase der
Wendung geho~ren, so erkennen wir, das~ alle Punkte des Objektes
eine Wendung von links nach rechts vollziehen ko~nnen und im
Strahlenbu~ndel der Polarkoordinaten im okulomotorischen Feld
eine Wendung nach jeder anderen Richtung, z.B. auch von unten
nach oben usw. Zu jeder eindimensionalen zyklischen Wendung
geho~rt ein bestimmtes System von Erscheinungen, und um die
geschlossene Ko~rperlichkeit von allen Seiten ada~quat nach allen
Erscheinungen zu gewinnen, mu~s~ten also all diese Wendungs-
systeme durchlaufen werden. Und jede Wendung hat ihre Gegen-
wendung, wie selbstversta~ndlich, da es zum Typus der Ruhe-
mannigfaltigkeit geho~rt, das~ zu jeder Modifikation die Gegen-
modifikation geho~rt, kina~sthetisch sowohl wie hinsichtlich der
zugeordneten stetigen Erscheinungen.
Eine allgemeine Bemerkung: Blos~e Dehnung ist nicht eine
Modifikation, die sich zur A~nderung der blos~en Orientierung im
okulomotorischen Feld verha~lt wie zwei Kra~fte, die sich zu-
sammensetzen ko~nnen nach dem Satz vom Kra~fteparallelogramm.
Ich sagte nicht sehr klar, sie sei eine von der blos~en Orientierung
unabha~ngige Modifikation. Richtig heis~t es: Blos~e Orientierung
ist Verschiebung oder Drehung der identisch sich erhaltenden
Figur im okulomotorischen Feld. Bei der "Verschiebung" z.B.

sample from hua_21t

_P86 Verha~ltnis: Zahlenpaare, welche einer arithmetischen Beziehung ge-
nu~gen.
a+b'=a'+b
(a, b) = (a', b')
Ordinalzahlen: spezielle benannte Zahlen.
Algorithmen fu~r benannte Zahlen. Benannte Zahlen enthalten
zweierlei: 1) einen Allgemeinbegriff, 2) Zahlendeterminanten. Die Be-
ziehung zwischen den benannten Zahlen beruht auf beidem, und so ist _!a
_!priori_! nicht zu erwarten, das~die Gesetze identisch sind mit den Anzah-
lenbeziehungen; und sie sind es tatsa~chlich im allgemeinen nicht.
1) _!Reine Anzahlen_!. _!Benannte Anzahlen_! - das, was geza~hlt
wird, ist ein Inbegriff, dessen Elemente selbst determiniert sind: a)
ihrem Inhalt nach, b) ihren Relationen nach.
2) _!Reine Gro~s~enzahlen_! eines diskreten Systems. _!Benannte
_!Gro~s~enzahlen_!. Gro~s~e: ein allgemeiner Begriff, der infolgender Weise
in Speziesbegriffe zerfa~llt: Es gibt einen Speziesbegriffmit unendlichem
Umfang, den der Einheit, welcher die Eigenschaft hat, das~jeder Inbe-
griff von Gegensta~nde desselben, jeder Inbegriff von Einsen vermo~ge
einer u~berall gleichartigen Weise einen Speziesbegriff bestimmt. Sind a,
b und c drei Inbegriffe, so soll fu~r entsprechende Verbindungen gelten
(a+b)+c =a+(b+c).
Die reinen Gro~s~enzahlen sind _!sub_! 1 ) enthalten unter den benannten
Anzahlen, sofern sie nicht selbst Anzahlen sind. Die Anzahlen sind im
System 2) enthalten unter den benannten Gro~s~enzahlen.
1a) Begriffe, welche durch Anzahlen determiniert werden, durch
benannte Anzahlen. Dritte: Endglied einer Reihe von drei Gliedern.
2a) Begriffe, welche durch Gro~s~enzahlen determiniert werden. 325
Fus~lang.
_!ad_! 1 a) Sind Begriffe durch Anzahlen determiniert, so ist die Determi-
nation zugleich eine solche durch benannte Zahlen. Denn die Anzahl
mus~eine im Begriff eingeschlossene allgemein charakterisierte Vielheit
abza~hlen. Ebenso verha~lt es sich bei 2a) in betreff der Gro~s~enzahlen.
Die la) und 2a) stehen in dem Verha~ltnis, das~alle la) sub 2a) fallen.
Denn alle benannten Zahlen sind zugleich Gro~s~enzahlen. Aber auch
alle 2a) fallen _!sub_! 1a). Denn ist ein Begriff durch Gro~s~enzahlen determi-
niert, so ist er auch durch gewisse, den Gro~s~enzahlen entsprechende
Anzahlen determiniert.

sample from hua_22t

_P9
Nutzen aus solchen Methoden ziehen (was freilich sehr zweifel-
haft ist); die logische Theorie desselben bleibt stehen, wo sie vor-
her stand, sie wird gar nicht tangiert. So erkla~rt sich auch eine
merkwu~rdige Tatsache, die wir in gleicher Weise auf logischem
und mathematischem Gebiete konstatieren ko~nnen: Man kann
ein vortrefflicher logischer Techniker sein und ein sehr ma~s~iger
Philosoph der Logik, und wieder kann man ein vortrefflicher Ma-
thematiker sein und ein sehr ma~s~iger Philosoph der Mathematik
(_!Boole_! bietet fu~r beides ein hervorragendes Beispiel). Fast
scheint es, als wa~ren die zu dem einen und anderen erforderlichen
Geistesta~tigkeiten allzu heterogen, da es eine so aus~erordentliche
Seltenheit ist, sie einmal vereinigt zu finden. -
Wieder einiges Interesse bietet der Abschnitt B der Einleitung,
"_!U~ber Zeichen und Namen_!", in welchem die fu~r eine tiefere
Begru~ndung des Kalku~ls so wichtigen semiotischen Fragen behan-
delt werden. Derselbe beginnt mit gut ausgewa~hlten Exzerpten
aus der scho~nen Arbeit _!Trendelenburgs_! "U~ber Leibnizens
Entwurf einer allgemeinen Charakteristik ",*1 sowie aus den ein-
schla~gigen Abhandlungen _!Leibnizens_! selbst; Abhandlungen,
welche manche treffende Beobachtung u~ber Funktion und Wert
der Zeichen fu~r die Erkenntnis enthalten, aber noch weit entfernt
davon sind, bis zu einer brauchbaren Theorie der symbolischen
Methoden durchzudringen. Eine Ausfu~llung dieser Lu~cken liefert
der Verf. nicht. Was er u~ber jene Exzerpte hinaus an eigener Dar-
legung bietet, ist wenig befriedigend. Einige Hauptsa~tze seien
zitiert: Die exakten Wissenschaften "haben mehr oder minder
ausgesprochen die Tendenz, die Schwierigkeiten des Studiums der
Dinge . . . mo~glichst abzuwa~lzen auf das Studium der Zeichen"
(40). "Je nachdem sie [dieses] Ideal erreicht haben oder nicht "
sind sie "aus ihrem urspru~nglichen, dem induktiven Stadium in
das deduktive u~bergetreten oder befinden sich noch in jenem.
Hieraus erhellt, das~ die allerwichtigsten Funktionen dem Zeichen
in den deduktiven Wissenschaften obliegen, ja das~ dasselbe
schlies~lich in diesen den einzigen Gegenstand der Beachtung bil-
den wird" (42).
Zur Erla~uterung und Begru~ndung dieser arg u~bertriebenen Be-

sample from hua_23t

_P89
und gibt keine doppelte Objektivita~t. Eine solche stellt sich aber
sofort ein, sowie ein klares und festes Bild der Phantasie auf-
taucht, welches sich mit der Phantasieintention partiell deckt,
aber nach gewissen Punkten von ihr klar abweicht. Evtl. mag
nachtra~glich die Erinnerung modifizierend auf die Intention
wirken und den Widerstreit hervorrufen. Z.B. ein klares Er-
innerungsbild gibt einer Intention auf einen Freund X Anschau-
lichkeit. Das Bild bringt aber zuna~chst einen schwarzen Vollbart,
ganz klar, und die Intention, sich durch den Flus~ der Erinnerung
eben modifizierend, verlangt einen braunen Vollbart. Dann wird
aber normalerweise das Bild nicht standhalten und sich ent-
sprechend anschaulich modifizieren.
Durch unsere Analysen treten als primitive Vorstellungsmodi
hervor 1) zwei schlichte Modi eigentlicher Vorstellung, die Wahr-
nehmung und die Repra~sentation; 2) ein schlichter Modus un-
eigentlicher Vorstellung: die leeren Intentionen; 3) die fundierten
Vorstellungsmodi, auf die schlichten intuitiven oder leeren In-
tentionen gebaut. Die verschiedenen primitiven Fundierungs-
formen wa~ren hier noch zu studieren. Es schieden sich uns schon:
die bildlichen Vorstellungen, die symbolischen durch A~hnlichkeit
und die symbolischen durch blosse Signifikation (ohne analogi-
sierende Beziehung) . Genauer analysiert haben wir die bildlichen,
in welchen sich Wahrnehmung und Phantasie oder Phantasie und
Phantasie durchdringen und eine abbildende Intention fun-
dieren.
<@ 44. _!Absonderung eines neuen Begriffs von Erscheinung
_!mit Ru~cksicht auf den Bewus~tseinscharakter der
_!Gegenwa~rtigung bzw. Vergegenwa~rtigung als dem
_!Unterscheidenden zwischen Wahrnehmung und Phantasie.
_!Anzeige des U~bergangs in die Analysen des Zeitbewus~tseins
_!zur genaueren Unterscheidung der Differenzen im
_!Wahrnehmungs- und Phantasiebewus~tsein>
Soweit du~rfen wir uns also klarer Ergebnisse erfreuen. Es be-
darf nun der Fortfu~hrung, die uns sehr bald in die Spha~re der ge-
naueren Unterscheidung der verschiedenen Differenzen im Wahr-

sample from hua_25t

_P136
le, seine Zuverla~ssigkeit in einstimmigen Akten und Erscheinungen
bekundende Erfahren und wieder das Erfahren und das vernu~nftige
Denken durcheinanderzumengen - aber vermutlich war es gerade
der Sinn des Arguments, schlechthin zu leugnen, das~ alle solche
Unterschiede im mindesten etwas zu bedeuten ha~tten fu~r Erweis und
Bestimmung irgendwelchen transzendenten Seins. Wie immer diese
Unterschiede bestimmter zu fassen wa~ren, es sind durchaus Unter-
schiede innerhalb der Subjektivita~t. Wie kommen aber immanente<
Erlebnisse bzw. immanente Charaktere an Erlebnissen, und heis~en
sie auch Charaktere der " Vernu~nftigkeit" - modern ausgesprochen
"Gefu~hle der Evidenz, der Denknotwendigkeit" u.dgl. - , dazu,
u~ber die immanente Spha~re hinaus und rechtma~s~ig etwas zu bedeu-
ten? Bleibt die erkennende Subjektivita~t immer und notwendig bei
sich, so ist Erkenntnis ein Titel fu~r Abla~ufe subjektiver Erscheinun-
gen, subjektiv erzeugter theoretischer Gebilde. Eine transzendente
Objektivita~t aber (gesetzt, das~ eine solche wa~re) soll an sich sein.
Was ku~mmert sich das Sein um unser Erkennen, was richtet unser
Erkennen nach dem Sein, wie kann prinzipiell so ein Sich-Richten
erkannt werden ? Und natu~rlich ko~nnen keine Theorien, wie theolo-
gische, die selbst Transzendenzen voraussetzen, hier etwas nu~tzen.
Ist das die wirkliche Meinung des Sophisten, so ist er der Entdek-
ker des vernunftkritischen Problems von der Mo~glichkeit transzen-
denter Erkenntnis, und Tadel verdient nur die Leichtfertigkeit, mit
der er es ohne Untersuchung negativistisch beiseite tut. Der Sinn des
Problems setzt offenbar einen unbestrittenen und in der Tat absolut
unbestreitbaren Boden voraus: Jeder Erkennende hat unmittelbar
gegeben seine eigenen Erlebnisse; auf sie kann er hinsehen, sie in
ihrer unmittelbaren Wirklichkeit zweifellos erfassen, sie mit allen
herausfas~baren inneren Besta~nden und Zusammenhangscharakte-
ren. Die darauf bezu~glichen Wahrheiten sind aber blos~ subjektive
Wahrheiten. Es gibt keine objektive Wahrheit bzw. wenn es solche
ga~be, so besta~nde nie die Mo~glichkeit ihrer Erkenntnis, es kann nicht
den leisesten Grund geben, sie zu behaupten.
Wir ersehen zugleich, das~ die Bestreitung der objektiven Wahrheit
durch den antiken Skeptizismus in einem doppelten Sinn, und
einem scharf abtrennbaren, schillert: Objektive Wahrheit kann be-
sagen Wahrheit, die an sich gilt. Und es kann fu~rs zweite besagen
eine Wahrheit, die "Objektives", na~mlich aus~ersubjektive Gegen-
sta~nde, betrifft. Es ko~nnte eine auf immanente subjektive Besta~nde

sample from hua_27t

_P180
Dasselbe gilt u~brigens fu~r jeden wie immer gearteten_!Objektivis-
_!mus_!, fu~r jedwede Zuru~ckwendung zum Objekt anstatt der Ru~ckwen-
dung zur transzendentalen Subjektivita~t. Es gilt also auch fu~r jeden
_!ontologischen Idealismus_!, der wie der Schelersche in der er-
neuernden Rechtfertigung des Eidos und der apriorischen oder onto-
logischen Erkenntnis durch meine_!Logischen Untersuchungen_!schon
einen Freibrief fu~r eine naive Metaphysik sieht, anstatt der inneren
Tendenz der subjektiv gerichteten konstitutiven Untersuchungen zu
folgen. Also auch die Ru~ckkehr in eine Metaphysik alten Stils ist
statt eines Fortschritts nur ein Versagen gegenu~ber der gros~en und
unverlierbaren Aufgabe der Gegenwart: endlich den Sinn der neu-
zeitlichen Philosophie zu seiner Klarheit und Wahrheit zu fu~hren.
Leider nur flu~chtig beru~hren kann ich die schon erwa~hnte Paral-
lele von Mensch und Ego, von_!Innenpsychologie_!und_!transzen-
_!dentaler Pha~nomenologie_!: erstere als Psychologie der rein ge-
fas~ten Bewus~tseinssubjektivita~t (bzw. Personalita~t und in der einzig
sinnvollen Form der intentionalen Psychologie) und in der rationa-
len, das ist eidetischen Methode.
Die tatsa~chliche Entwicklung der Psychologie in der Neuzeit ver-
lief nicht als blos~e Entwicklung einer speziellen positiven Wissen-
schaft, sondern bis ins 19. Jahrhundert mit dem Sinn einer transzen-
dentalen Grundlegung der Philosophie u~berhaupt. Auch nach der
Verselbsta~ndigung blieb ihr diese Funktion in weiten Kreisen erhal-
ten. Eine solch besta~ndige Verflochtenheit von Psychologie und Phi-
losophie im Zeitalter der transzendentalen Motivation wa~re nicht
mo~glich ohne Gru~nde in den Sachen selbst. Sie zeigen sich auch
darin, das~ radikale psychologische Reformversuche, wie die Einfu~h-
rung der Intentionalita~t in die sogenannte deskriptive Psychologie
(jene Innenpsychologie der Lockeschen Tradition) sowie von der
geisteswissenschaftlichen Orientierung her Diltheys Impuls zu einer
Psychologie der Personalita~t in ihrer gesellschaftlich geschichtlichen
Existenz, Vorbedingungen geschaffen haben fu~r ein neues und tiefe-
res Verstehen des spezifisch transzendentalen Problems und fu~r die
Auffindung einer bodensta~ndigen transzendentalen Methode. Umge-
kehrt aber war der Durchbruch der echten Methode einer transzen-
dentalen Pha~nomenologie und dieser selbst innerhalb der Philoso-
phie sofort ru~ckwirkend auf eine Reform der Psychologie, der eigent-
liche Sinn einer Innenpsychologie. Ihr prinzipielles Leitproblem, das
der psychologisch-pha~nomenologischen Konstitution der Welt als

sample from hua_29t

_P205
_!mos arithmeticus_!. Die Physik in weiterer Folge gewinnt ihr "Gebiet",
indem sie ein Analogon der geschlossenen Unendlichkeit der Zah-
lenreihe hypothetisch voraussetzt - obschon hier die konstruktive
Evidenz fehlt, du
rch die das Gebiet _!a priori_! als konstruierbar
vorgegeben ist.
Gleichsam fu~r Gott ist das Gebiet ein im voraus konstruierbarer
Horizont, in welchem also im voraus die Allheit der Ko~rper an sich
ist, in systematischer Erzeugung zuga~nglich sein wu~rde (begrifflich
konstruierbar) in einer Unendlichkeit von sozusagen im voraus
fertigen, Gott vermo~glicher Konstruktionen - wenn wir das syste-
matische Prinzip dieser Konstruktionen direkt schon ha~tten. Aber
es gibt Wege, indirekt unter der Hypothese dieser Konstruierbarkeit
eine Mathematisierung der Natur in Stufen zu entwerfen.
In weiterer Folge wird die Welt u~berhaupt physikalistisch gedacht.
Sie ist - in der Hypothese ist das freilich vergessen worden - in
gleichem Sinne an sich, in gleichem - in indirekten Methoden der
Bewa~hrung der Hypothese - wissenschaftlich zuga~nglich, das Total-
gebiet aller Sonderwissenschaften, deren jede ein Partialgebiet hat,
als eine partial "fertige" Unendlichkeit gedacht, vorgegeben als ein

Horizont vermo~glicher Konstruktionen der Begriffe der an sich
seienden Dinge des Gebietes in systematisch konstruierbaren "Wahr-
heiten an sich".
Nun aber ist es durch unsere Aufweisung der Verwandlung des
naiv-natu~rlichen psychologischen Horizontes vermo~ge der transzen-
dentalen Erkenntnis evident geworden, das~ diese wissenschaftliche
Weltbetrachtung, diese Art, die Welt wissenschaftlich, in physika-
listischer Logifizierung beherrschen, erkennen zu wollen, eine Ab-
surdita~t ist. Der dem Psychologen, solange er in der transzendentalen
Naivita~t verharrt, sich vorzeichnende Horizont des Psychischen kann
niemals denkbar und hypothetisch voraussetzbar sein als ein im
voraus konstruierbares Gebiet nach Analogie des Arithmetischen
oder des Physischen, das alle Zahlen, (die in identischem Sinne des
Hinzuza~hlens) konstruktiv erzeugbar sind, in sich fertig zusam-
menschlies~t.
Die Welt ist auch fu~r Gott nicht eine berechenbare oder in Un-
endlichkeit schon berechnete Welt, etwa fu~r einen unendlichen Gott.
_!Gaus~_! - das ist grundirrig. Eine Berechnung, die das go~ttliche
"Schaffen" (die "Konstruktion" und obschon der physischen Welt)
auch in Form der Berechnung berechnet ha~tte, ist widersinnig. Das

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